Usability Testing mit Silverback am Mac

1

Neulich bin auf meiner Suche nach guten Webdevelopment Tools für den Mac auf „Silverback“ gestossen.

Silverback ist ein low-budget Usability Testing Tool,  d.h. es testet die Benutzerfreundlichkeit einer Webseite, indem es die Mausaktivitäten und Augenbewegungen sowie die spachlichen Aussagen des Benutzers in Echtzeit  mit der integrierten iSight Kamera aufzeichnet, und den fertigen Film als .mov abspeichert – sodass man diesen hinterher auswerten kann.

Warum überhaupt auf Benutzerfreundlichkeit testen?

Benutzerfreundlichkeit ist oberstes Gebot, wenn man eine erfolgreiche Webseite/Software betreiben möchte.
Kein User will lange Zeit damit vergeuden, den Inhalt den er erwartet, erst stundenlang zu suchen, sondern er möchte schnell & einfach durch die Webseite navigieren können  bzw. geführt werden, um seine  bevorzugten Inhalte schnell zu finden.

Dies basiert psychologisch gesehen auf:

-Erfahrungswerten (bei den meisten Anwendungen finde ich  die Navigation oben oder links, wieso ist die denn plötzlich auf dieser Seite unten?)

-Erwartungen ( „wenn da vorhin der Login- Button war,  warum ist da jetzt , wenn  ich eingeloggt bin, nicht auch der Logout-Button?“ )

–logischen Zusammenhängen (ein Link zu „Passwort vergessen” sollte logischerweise in der Nähe des Passwort-Eingabefeldes stehen und nicht irgendwo am Ende der Seite).

Angenommen ich starte ein neues Webprojekt, z.B einen Online-Shop.
Ein erster Prototyp steht bereits und nun geht es darum, ob die Zielgruppe/der Endbenutzer  auch mit dieser  Webseite  umgehen kann, ob man noch irgendwo Komplexität herausnehmen sollte, ob die Icons richtig interpretiert werden, die Navigationshierarchie logisch aufgebaut & strukturiert ist etc…

Wenn der User einmal negative Erfahrungen mit einer Webseite macht (z.B. lange umständlich etwas suchen muss), ist er oft  ganz schnell einfach sang-und klanglos wieder verschwunden – gerade wenn es sich um ein Produkt mit  grosser Konkurrenz handelt, wie z.B einen Online–Shop .
Irgendwo anders wird er sich besser zurechtfinden, mit dem gleichen Produktangebot, und wir haben diesen User mitsamt seinen Empfehlungen die er vielleicht weitergeben würde, mit Sicherheit für immer verloren. Doof, ne?
Und wenn das einem User so geht, dann geht dies mit Sicherheit auch mehreren so.

Sicher haben wir alle schon die Erfahrung gemacht, auf Webseiten zu landen, die man ganz schnell wieder verlassen möchte, weil man sich einfach nicht zurechtfindet.

Ein simples Beispiel:
Stadtverwaltung XY: Ich suche Öffnungszeiten. Wieso stehen diese Öffnungszeiten irgendwo tief verschachetelt & versteckt auf der 98. Ebene und nicht direkt gut sichtbar auf der Startseite des Portals?
Vieles geht in der Entwicklung unter,  und auch Webseiten–Betreiber denken nicht an alles, man kann dies gut mit der Bezeichnung „betriebsblind” vergleichen. Man steckt viel zu tief in der eigenen Materie drin, als das man die Bedürfnisse und das Verhalten  fremder, aussenstehender  Menschen nachvollziehen kann.

Da kommt der Usability-Test ins Spiel:

Fremde Personen mit verschiedenen Benutzerverhalten ( Heavy–User, Gelegenheitsnutzer ) , die noch nie etwas mit dem Produkt/der Software, also mit exakt dieser Webseite zu tun hatten, werden als „jungfräuliche” Benutzer  vor den Computer gesetzt und sollen  dokumentieren, wie sie mit der Webseite/ Software zurechtkommen.
Finden Sie alles?  Wo hakt es?  Was kann man besser machen ?

So etwas findet meist in speziellen Usability-Test-Laboren oder auch mobil, beim Endnutzer zuhause statt.

Zugleich werden von der Testperson Gedanken & Fragen laut ausgesprochen & aufgezeichnet, um das User-Verhalten noch besser zu dokumentieren. Zusätzlich werden Fragebögen ausgefüllt.
Nun ist dies alles sehr zeitaufwändig & teuer wenn man so etwas professionell machen möchte, weil dies meist von speziellen Agenturen übernommen wird –  für ein Startup oft finanziell kaum durchführbar

Natürlich kann ich auch alle meine Freunde fragen, ob sie mal eben die Webseite testen. Das Problem dabei: wahrscheinlich kommen meine Freunde eher aus demselben Userumfeld wie ich selbst, sind also entweder sehr internetaffin – oder eben weniger… und vor allem:  ich zeichne nichts konkretes auf, habe also  keine Belege, die ich dem Kunden vor Augen führen kann. Also auch nicht so super – aussagekräftig.

Hier bietet Silverback wirklich eine geniale Lösung an:

Es nutzt praktisch die im mac vorhanden Tools, nimmt eine Testsession komplett mit der iSight Kamera auf Video auf und verwandelt den mac schwupps… in ein Usability Testing Tool.
Simpel & genial.
Zusammen mit einer guten Dokumentation oder kleinen Fragebögen kann man hier schon ein ganz passables Ergebnis erzielen. :)

Durchführen der Recording Session:

1.Zuerst legt man ein Projekt an.

Man kann für verschiedene Testpersonen verschiedene Sessions anlegen (=Subjects),
also :
–Projekt 1  Testperson A (Gelegenheitsnutzer)
–Projekt 1  Testperson B (Heavy–User)
für die verschiedenen Subjects kann man sich viele Notitzen speichen (z.B über generelles Userverhalten, Alter, ..etc..)

2. Starten der Recording-Session:
Die Testperson  sitzt also jetzt vor  den Mac und hat sich gut platziert , so das man auch das Gesicht während der Session gut erkennen kann –dies kann man in der iSight Preview des Programmes einrichten.

Nun startet man die Silverlights Recording-Session für dieses Projekt und lässt die Testperson die betreffende Seite bedienen. Die Testperson sieht einen ganz normalen Bildschirm vor sich – sie sieht also keine störenden sonstigen Fenster von dem Programm selbst.
Mausbewegungen & Klicks (auch Klicks  ins Leere / auf „Nicht-Links” ) sowie Ton (die Test– Person sollte ihre Gedanken / Fragen während des Tests laut aussprechen) werden aufgezeichnet.
Klicks & Interaktionen werden immer mit orangenen Kreisen gekennzeichnet.

Gleichzeitig kann man die Augenbewegungen und den Gesichtsausdruck von den Testpersonen studieren:
– wohin wandert der Blick  auf Seite XY?
–an welcher Stelle wird verärgert geschaut / wild geklickt , der Browser-Zurück Button benutzt etc..
Hier sind dann auch ggf. die Problemstellen zu suchen.
Man die Recordingession jederzeit pausieren und stoppen (auch mit der Fernbedienung). Die Aufnahmen bleiben in dem zugehörigen Subject gespeichert, bis man das Subject explizit löscht, also auch nach Beenden des Programmes bleibt alles erhalten.

3. Film exportieren (man kann verschiedene Einstellungen beim Export vornehmen) & auswerten

Mein Fazit:

Super Tool, im kleineren Rahmen  absolut zu empfehlen um selbst kleine Tests durchzuführen und dem Kunden zu präsentieren. Die Handhabung ist kinderleicht und sehr intuitiv zu bedienen!

Eine 30 Tage Testversion kann man sich kostenlos downloaden
Kaufpreis: $ 50

http://silverbackapp.com/

Comments

  • Das Blog sieht ja klasse aus!

    Eine Bloggerin aus Mannheim. Schön, dass ich dich gefunden habe.

    Grüße

  • Hi Steffi,

    danke, das ist ja schon fast ein kleines Tut ;-) Den Ansatz, einen Usabilitytest mit den Boardmitteln des Macs zu realisieren finde ich großartig. Silverback ist ein weiterer Grund, warum mein nächster Computer mit X geschrieben wird.

    Grüße aus G5

  • stef

    Hi Artis,
    find ich auch! Klar es hat schon einen Kostenvorteil, aber ich denke richtig etwas bringen wird es nur in Verbindung mit ausgefeilten Fragebögen und Testen an der „Endbenutzer“ Gruppe :). Aber für einen Freelancer oder eine kleine Agentur, auch wenn man sich nur mal selbst ein Bild machen möchte, was man da verzapft hat , auf jeden Fall super & weiterentwicklungsfähig! :)

  • Da stimme ich mit dir vollkommen überein. Ohne die eigentliche Nutzergruppe in die Tests einzubeziehen werden die Effekte wohl schnell verpuffen. Allerdings denke ich, kann Software wie Silverback, die “schnelle Milchmahlzeit für zwiuschendurch” werden – wenn a) wenig Zeit vorhanden ist oder b) schnelle entscheidungshilfen notwendig sind.

    Montag abend pl0gbar im Nelson?

Leave a Comment