Personas in Interface Design

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oder….welchen Nutzer hättens’ denn gern? ;)
Oft leider unterschätzt und ignoriert – für UI Designer und Informationsarchitekten allerdings oft sehr essentiell wenn es darum geht, eine Seite entweder komplett neu zu erstellen, oder ein Auftrag für ein Re-Design ansteht. Die Entwicklung von Personas.

Was sind Personas?
Persona = fiktive, nicht-reale Person, die stellvertretend für eine Benutzergruppe steht. Personas sind ein Hilfsmittel u.a. im Bereich Interaction Design, um ein Produkt herzustellen, welches voll und ganz auf die Bedürfnisse der Endnutzer zugeschnitten ist (User-Centered Design).

Warum Personas?
Personas dienen dazu, Motivation & Ziele verschiedener Benutzergruppe zu definieren: Wer besucht die Webseite warum und mit welchem Ziel?
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Personas werden nicht in jedem Projekt benötigt – kleine Webseiten ohne grössere Nutzerinteraktionen kommen auch gut ohne diese Methode aus. Personas verlangen eine gewisse Recherche der Nutzergruppen und benötigen daher Zeit.
Trotzdem denken viele – auch bei großen und komplexen Projekten – das dies kein Mensch braucht und so werden eigene Stereotypen und Klischeenutzer mal eben schnell von jedem Teammitglied im Kopf erstellt. Aber ohne zu wissen und zu kommunizieren, wer die wirklichen Nutzer sind, kann man diese “formbaren Sterotypen” schlecht im Team oder beim Kunden präsentieren und Entscheidungen gemeinsam treffen. Daher braucht man “stabile Nutzertypen” auf die man bei Problemlösungen und Designentscheidungen gemeinsam zurückgreifen kann.
Personas sind nicht zu verwechseln mit typischen Marketing Personas ( Zielgruppendefinitionen ). Sie können darauf basieren, aber eine Persona hat immer ein Ziel, welches sie mit der Anwendung erreichen möchte!

Natürlich möchten Kunden ihre Kosten so gering wie möglich halten – wenn es jedoch darum geht, das eine Seite erfolgreich sein soll, und der Erfolg von den Nutzern abhängt, was bringt dann diese Einsparung im Vorfeld? Ohne jegliche User-Research kann man ohnehin machen was man möchte. Sinnvoll ist das nicht – denn man will ja eine Anwendung/Software/Webseite FÜR die Bedürfnisse und Ziele der End-Nutzer bauen und nicht für seine eigenen.

Wie erstellt man Personas?
Man kann sehr detaillierte Personas erstellen, mit Bild, Name, Beruf, E-Mail Adresse, Hobbys – also eine richtige Story /einen Hintergrund um diese fiktive Person erstellen, fast schon ähnlich einer Characterbeschreibung in den Bereichen Film & Storytelling.
Der große Vorteil bei detaillierten Personas: Man erzeugt ein Bild, fast einen “echten” Menschen, den man sich vorstellen kann.

Beispiel:
Nehmen wir z.B ein Hotelbewertungsportal als Basis. (hier jetzt mal der Einfachheit halber im “Quick & Dirty” Durchlauf)
Ziele der Seite: Nutzer sollen sich über ihr Hotel vorab informieren können, und sollen möglichst auch selbst Bewertungen schreiben(die Seite lebt ja von User generated Content).
Zielgruppe laut Marketingabteilung: Der “typisch deutsche Sommerurlauber”, der vornehmlich zur Erholung verreist.

So fast man zuerst die groben Nutzergruppen zusammen – diese erfordern Recherche ( z.B im Call Center/Marketing o.ä. nachfragen oder ggf. auslagern)

  • 1. Der informationssuchende Nutzer, der schon gebucht hat, will sich vorab über das Hotel informieren
  • 2. Der informationssuchende Nutzer, der noch nicht gebucht hat, braucht eine Entscheidungshilfe
  • 3. Der Rückkehrer, der sich die Bewertungen nach seinem Urlaub anschauen möchte und einen “geheimen/stillen” Vergleich zieht
  • 4. Der Rückkehrer, der seine Erfahrungen auf jeden Fall teilen möchte & somit aktiver Teil der Bewertungscommunity ist

Aus diesen Nutzergruppen/Profilen kann man nun eine oder mehrere Personas erstellen, die die jeweilige Benutzergruppe repräsentieren.

z.B. könnte eine Persona aus Nutzergruppe 2 so aussehen:
persona-bspLena Reinhardt, 36 Jahre alt, aus Süddeutschland, in erster Ehe verheiratet, 2 Kinder ( Lars, 9 Jahre und Katrin, 11 Jahre) , Hausfrau und seit kurzem wieder Teilzeit-Angestellt als Anwältin, 1 Hund (Labrador) , gesundheitsbewusst, sehr auf ihre Familie achtend, weiss was sie will, selbstbewusst, immer beschäftigt, möchte im Sommer 2010 zwei Wochen mit ihre Familie nach Sylt verreisen.
Sohn Lars ist Asthmatiker. Ihr Mann ist beruflich erfolgreich und häufig ausser Haus – er überlasst ihr familiäre Entscheidungen. Lena verbringt ihre Freizeit viel draussen, ihre Hobbys sind die Gartenpflege, Aquajoggen, mit dem Hund rausgehen und lesen.
Lena kocht gerne gesund, Ernährung ist ihr sehr wichtig. Mit dem Internet hat Lena weniger zu tun, sie geht ca. einmal pro Woche privat online, vornehmlich um sich zu verschiedenen Themen zu informieren – Online Bestellungen oder Buchungen per Internet macht sie nicht, will Informationen schnell, klar und übersichtlich dargestellt haben. Motto: “Geht nicht , gibt’s nicht!”

Lena repräsentiert eigentlich nicht eine einzige Person, sondern steht vielmehr stellvertretend für eine Gruppe:
-Informationssuchend, vergleichend, gebildet, anspruchsvoll, kein Power-User. Aber die Person Lena hilft dabei, genau dieser Nutzergruppe ein Gesicht zu verleihen.
Was erwartet Lena wohl von ihrem Hotel? Und viel wichtiger: Welche Information erhofft sich Lena von der Bewertungswebseite? Wird sie viell. sogar selbst einmal eine Bewertung schreiben, bzw. wie könnte man sie dazu animieren?..( um es mal weiterzuspinnen)

Welchen Vorteil hat nun so ein detailliertes Persönlichkeitsprofil ?

  • -Wir haben eine “richtige” Person vor Augen, Bild/Person bleibt in Erinnerung
  • -Es übersetzt die “Designersprache” bildlich in die “Businesssprache” des Kunden (falls nötig)
  • -Wir können uns besser in die Situation von Lena und ihre Ziele hineinversetzen, so entsteht bei der Entwicklung/Planung innerhalb des Teams keine “wie gehe ICH das Problem an” -Situation, sondern man fragt sich eher, wie Lena es wohl tun würde, was sie benötigt und braucht, um bequem an ihr gewünschtes Ziel zu kommen.
  • -erleichtert somit Design Entscheidungen

Auf Basis von Lenas Persönlichkeit z.B kann man dann anfangen, ein Nutzerszenario für diese Person zu erstellen, welches hilft, Informationsstrukturen zu bündeln und den Endnutzern eine bestmögliche “Nutzungerfahrung” auf der Webseite zu ermöglichen, die dann gerne wiederkommen bzw. Empfehlungen aussprechen, weil sie die Informationen die sie suchten, auch leicht gefunden haben.

Ich denke, diese detaillierten Personas werden jedoch in unserem Alltag trotzdem immer noch viel zu wenig/selten und zu spekulativ eingesetzt.
Weiterhin sind u. U. auch gute Marktforschungskenntnisse von Nöten, wenn man richtige und verwendbare Personas entwickeln möchte.
Was habt ihr da für Erfahrungen?
Erstellt ihr Personas? Wenn ja, in welchem Umfang? Entwickelt ihr mehr oder weniger spekulativ/ auf Basis von Nutzergruppen, die ihr mitgeteilt bekommt, so etwa wie im obigen Beispiel?

Weiterführende Links Infos zum Thema Personas
Three Important Benefits of Personas
Why Is it so Hard to Make Products that People Love?
Ten Steps to Personas (Dr. Lene Nielsen) –> mit super Infografik
Alan Cooper – The Origin of Personas
http://en.wikipedia.org/wiki/Personas
http://www.boxesandarrows.com/view/bringing_your_personas_to_life_in_real_life

oldskool Lesestoff
http://www.amazon.de/About-Face-Essentials-Interaction-Design/dp/0470084111

3 thoughts on “Personas in Interface Design

  1. zeidlos sagt:

    Sehr interessant und aufschlussreich. Nun braucht es nur noch Kunden die Geld für sowas ausgeben wollen. :)

  2. steffi sagt:

    Leider wahr – aber genau deswegen getaggt unter “das ideale Web” ;P
    Ich weiss nicht, wann das Verständnis aufkommt, dafür, das man Webseiten mittlerweile teilweise wie “richtige Software” behandeln und entwickeln muss und das man stärker auf die Nutzer eingehen sollte, um erfolgreich zu sein. Ist natürlich auch viel Therorie bei, aber – ohne Theorie keine Praxis.
    Viell. liegt es an uns, dies den Kunden näherzubringen und das Verständnis dafür zu entwickeln.

    So etwas wie Personas entwickeln z.B betrifft ja nun wirklich nur grössere Sites, die sich entweder durch ihre Userfreundlichkeit von der Konkurrenz abheben möchten, oder die dem Nutzer komplexe Interaktionen abverlangen.

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