guerillagirl – user experience designer

guerillagirl's (ux) design journal

Can i haz genderneutrale Formulare im webdesign?

| 0 comments

First: Hier geht es um keine Forderung zur strikten Regelung dieses Problems, vielmehr soll mit diesem kleinen Beitrag ein Gedankenanstoß zum Thema gegeben werden. Die Unterteilung des Geschlechtes ist immer noch sehr dichotom in die Attribute ‚männlich’ und ‚weiblich‘ aufgeteilt – dies trifft auch auf viele Formulare im Web zu. (und: ja, auch so werden soziale Realitäten geschaffen)

Wieso ist dies so?

Aus Marketingsicht benötigt man die Geschlechtsangabe oftmals, um demografische Prognosen und Einschätzungen geben zu können. Sagt man so zumindest.

Was ist nun aber mit all denjenigen Personen, die sich weder dem ‚männlichen‘ noch dem ‚weiblichen‘ Geschlecht eindeutig zuordnen können oder wollen? Was ist mit denjenigen, die eine Diskrepanz zwischen Körper und sozialer Geschlechtsidentität empfinden (Transgender) ? Was ist mit intersexuellen Personen?

Was hindert so viel Unternehmen daran, dies anzupassen? Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten:
a) Die Auswahlmöglichkeit optional zu lassen – derjenige, der dies eintragen möchte, kann es tun, alle anderen lassen es einfach.
b) wenn es marktforschungstechnisch wirklich sehr relevant ist – dementsprechende Auswahlmöglichkeiten bereit zu stellen
c) Einfach die dritte Option: keine Angabe oder ein einfaches ‚other’ zur Verfügung zu stellen?

Erstens sollte man sich Gedanken machen, ob man diese Geschlechts Angabe WIRKLICH UNBEDINGT benötigt im Sinne von Relevanz. Wo genau und warum ist es denn überhaupt relevant? – muss man sich hier ebenso fragen. Weil es ein salientes Merkmal ist? Wieso ist die Farbe meiner Haut und mein Alter (oft nicht) nicht relevant?
Im Fall b) – also einer marktforschungstechnischen Relevanz – liefert so eine weitere, zusätzliche Angabe ganz nebenbei eben auch wertvolle demografische ‚Insights‘ wer die Kunden sind. Facebook hatte vor ca ein oder zwei Jahren eine Genderwahl mit was weiss ich wievielen Auswahlmöglichkeiten eingeführt.

Das wichtigere jedoch finde ich, ist, das man somit eine Art ‚Vorbildfunktion‘ einnehmen kann, also alle gleichbehandelt und nicht ausschliesslich auf die Dichotome ‚männlich‘ und ‚weiblich‘ reduziert. Es hat des weiteren den Effekt, ein Umdenken in den Köpfen und der sozialen Wahrnehmung zu festigen, entweder dadurch, das:

a) das Geschlecht nicht als so enorm wichtig wahrgenommen wird (bei komplettem Weglassen des Gender Attributes oder der Bereitstellung einer optionale Auswahl )
oder
b)verschiedenartige Genderformen als Normalität aufgefasst werden und nicht als ‚fremd‘‚ komisch’ oder ‚unnormal‘ gelten.

Vielleicht spielt aber bei der Ignoranz des ganzen Themas auch eine Rolle, dass viele Unternehmen eventuell befürchten, dadurch eher ‚konservative‘ Kunden zu verlieren/diese vergraulen könnten, da sie dann in die Kategorie ‚queer‘/links eingeordnet würden – und somit durch das Ignorieren der Thematik eine Konfliktvermeidungsstrategie bevorzugen.

Jedenfalls bin ich der Meinung, das durch diese Attributisierung die Schaffung von falschen ‚Normalitäten‘ /Realitäten im Sinne von sozialen Wahrnehmungsverzerrungen unbewusst weiter gefördert wird und eine soziale Akzeptanz und Wahrnehmung von z.B In-between-Gendertypes weiter behindert – denn, was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht – ‘wenn das Geschlecht wichtig ist, dann ist das eben so’ und ‚wenn da nix von transgender und co steht, gibt’s das eben auch nicht!‘

Es geht schlicht und einfach darum, das Geschlecht entweder nicht als zu wichtig zu nehmen, oder aufzuzeigen das es noch was anderes gibt als Mann und Frau – und ich rede nicht von 100+ Einteilungen, die es mittlerweile gibt, es geht sicher auch vereinfacht– und daran kann jeder mitarbeiten.

positiv-Bsp – gefunden auf edx.org

In diesem Sinne.

Leave a Reply

Required fields are marked *.