guerillagirl – user experience designer

guerillagirl's (ux) design journal

Mehr Motivation, bitte!

| 2 Comments


Motivation und User Engagement Part1.

Heute gibt es einen kleinen, einführenden Artikel über das große Themengebiet der Motivation, da ich das Thema spannend finde und darüber sehr wahrscheinlich immer wieder mal etwas schreiben werde. Das Video da oben gibt zudem einen ganz netten kleinen Überblick, es ist allerdings im Bereich ‘Work’ angesiedelt.

Was versteht man genau unter Motivation, was motiviert uns, bestimmte Handlungen auszuführen und bei manchen eine explizite ‘I don’t care’ Attitude an den Tag zu legen?
Motivation ist, grob gesagt, ein Motiv zu haben, ein gewisses Verhalten auszuführen, Handlungsbereitschaft zeigen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen = zielgerichtetes Verhalten.
Motivation ist im Endeffekt das Streben nach: ‘Es soll mir gutgehen’ ‘ich mag mich wohlfühlen und Spass haben’, ‘ich muss körperliche und psychische Schmerzen verhindern’.


Wenn man über Motivation nachdenkt, kann man u.a. zwischen zwei Arten von Motivation unterscheiden, nämlich
a) Extrinsische und
b) Intrinsische Motivation.

Bei der extrinsischen (äußeren) Motivation steht der Wunsch im Vordergrund, bestimmte Leistungen zu erbringen, weil man sich davon

  • a) einen Vorteil oder Belohnung/positive Verstärkung erhofft/verspricht oder
  • b) Nachteile und Unangenehmes vermeiden möchte. Dies ist ein negativer Verstärker/negative Reinforcement, dies ist auch _nicht_ mit Bestrafung verwechseln. Bestrafung = Hinzufügen eines unangenehmen Reizes, wenn ich eine Handlung ausführe, oder Entzug von etwas Angenehmen, wenn ich eine Handlung nicht mehr ausführe.

Bei einem positiven Verstärker gibt eine Mutter z.B ihrem Kind eine Belohnung, wenn es das Geschirr immer wegräumt. (Kind verspricht sich Belohnung bei Bewältigung der ‘negativ’ belegten Aufgabe.)
Oder: Beim Kauf eines Premium Abonnements eines Produktes kommt man in den Genuss, Vorteile geniessen zu können, die ausschliesslich Premiummitgliedern vorenthalten ist. ( Einsicht Profilbesuche z.B, bei Xing, Prime Versand bei Amazon)

Ein negativer Verstärker ist z.B bei Spotify zu finden. Die Werbung (das Unangenehme) wird entfernt, wenn ich einen Premium Account kaufe.

Wieso aber sind nun manche Leute motiviert, wieso sind manche nicht motiviert ein bestimmtes Ziel zu erreichen?
Wie kommt es, das z.B Menschen, in ihrer Freizeit engagiert freiwillig etwas unterstützen? Das kann in allem möglichen Bereichen (sozial, politisch etc.) stattfinden.

Nehmen wir z.B ein Open Source Content Management System wie Drupal, oder – um auch dem nicht Technikaffinen Leser ein Beispiel zu geben – z.B auch das Engagement in einer freiwilligen Gruppe, die z.B. Menschen mit Behinderungen hilft.
Was treibt Menschen voran, in ihrer Freizeit, ohne Bezahlung mitunter sehr sehr viel Zeit zu investieren, intensiv an etwas mitzuarbeiten und es kontinuierlich zu verbessern, während Sie eventuell täglich missmutig ihrem Job in der selben Branche nachgehen?

Welches MOTIV steckt dahinter?
Hier kommt die b) intrinsische (innere) Motivation zum Zuge.
Eine Motivation, die aus Interesse, Spass an der Sache und der Bewältigung einer Herausforderung an sich entsteht.

Der größte Unterschied zwischen diesen beiden Typen besteht also darin, das extrinsische Motivation von ‘außen’ gesteuert ist, während die Intrinsische Motivation ‘von innen’ / aus mir selbst entsteht.

Interessant ist daran ist, das Studien herausgefunden haben, das bei Menschen, bei denen schon eine hohe intrinsische Motivation bei einer Tätigkeit der Trigger war, diese mitunter abgenommen hat, sobald auf einmal stetige Belohnung durch aussen gegeben wurde (weil diese mit Erwartungen einhergeht?)
Hierzu empfehle ich als Denkanstoß auch nochmals dieses nette Video.

Was jetzt das Beste ist, kann man so leider nicht sagen. It depends :). Bei manchen Tätigkeiten hat man natürlich einfach kein ‘inneres Verlangen’ sich da ‘reinzuhängen’. Hier helfen dann schon (‘externe’) Rewards. Keine Motivation zu lernen z.B –> ich belohne mich danach mit etwas, was mir Spass macht.

Beide Arten sind wichtig und sollten bedacht werden, wenn z.B. ‘Engagement’ bei einem Produkt erwünscht ist.

More to come, demnächst hier, auf diesem Sender.

2 Comments

  1. Bei der Frage “was ist besser?” scheiden sich sicher die Geister.
    Ein schönes Beispiel finde ich die Jobsuche.

    extrinsich = Geld
    intrinsich = Spaß an der Arbeit

    Es gibt Menschen, die setzen das Gehalt über alles. “Mit dem Geld, ertrage ich alles!”
    Andere sagen “Mir ist das Gehalt ziemlich egal, hauptsache es macht Spaß”.

    Ich glaube beide haben unrecht. Wenn ich behaupte auch ein sehr hohes Gehalt rechtfertigt keine saudumme oder vielleicht sogar unethische Arbeit impliziert das womöglich dass ich eher intrinsich motiviert sein möchte? Wenn nur der Spaß bei der Arbeit zählt ist das sicher auch nicht korrekt. Ich muss ja genügend Geld zum Überleben haben. Die Frage ist also eher, was steht für mich persönlich im Vordergrund. Was macht mich glücklicher…

  2. Hi Frederik, danke für deinen Kommentar.

    Das ist generell ein spannendes Thema – auch im Bereich ‘Arbeit-Geld’. Die Frage ist: was macht Menschen glücklich und wonach streben sie?
    Wenn ich mir erlauben kann, das ich ausschl. von meiner intrinsischen Motivation gesteuert werde – bei der Arbeit – ok. Das dürfte leider für die meisten Menschen nicht zutreffen. Das käme noch ein ganz anderes Thema zum Vorschein – man denke an so Dinge wie z.B das bedingungslose Grundeinkommen.
    Zu dem Bereich (Work/Money) finde ich das Paper von Alfie Kohn sehr interessant ‘Myths About Money and Motivation’ – er spricht von Pop-Behaviorismus (sehr schöner Ausdruck!) und auch von konditionierter Gesellschaft, wo er gegen Ende ein Zitat von F. Herzberg verwendet: “If you want people motivated to do a good job, give them a good job to do.” und auch:
    ”[…] By one definition, nothing can meaningfully be said to “motivate” people. Various devices can be used to get people to do something, but that is a far cry from making people want to do something. Seminars and articles with titles like “How to Motivate Your Employees” should be avoided at all costs: not only is the basic premise psychologically misconceived, but the prescriptions are likely to involve attempts to control people and therefore to make things worse in the long run.”

Leave a Reply

Required fields are marked *.